Blogbeitrag

Legasthenie & Dyskalkulie verstehen – warum Ihr Kind anders lernt
14.05.2026

Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie sind nicht weniger intelligent – sie verarbeiten Buchstaben und Zahlen lediglich auf eine andere Weise. In diesem Artikel erfahren Sie, warum das Schulsystem oft nicht auf diese besonderen Lernvoraussetzungen eingeht, welche typischen Anzeichen es gibt und warum reines Üben häufig nicht ausreicht. Zudem wird erklärt, wie der AFS-Test hilft, die individuellen Ursachen zu erkennen und gezielt zu fördern. Ein persönlicher Einblick zeigt: Mit dem richtigen Verständnis und passenden Methoden kann Ihr Kind sein volles Potenzial entfalten.

8 Minuten

Legasthenie & Dyskalkulie verstehen – warum Ihr Kind anders lernt

Legasthenie & Dyskalkulie verstehen – warum Ihr Kind anders lernt

Vielleicht haben auch Sie sich schon gefragt: „Warum tut sich mein Kind trotz Üben so schwer mit Lesen, Schreiben oder Rechnen?“

Ihr Kind ist klug, interessiert, vielleicht sogar kreativ oder sportlich – und dennoch scheint es in der Schule ständig an seine Grenzen zu stoßen.

Die wichtigste Botschaft vorweg:

👉 Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie sind nicht weniger intelligent.

👉 Sie verarbeiten Buchstaben und Zahlen einfach anders.

Und genau hier beginnt das eigentliche Verständnis.

Was wirklich hinter Legasthenie und Dyskalkulie steckt

Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie haben keine generelle Lernschwäche. Vielmehr handelt es sich um eine andere Art der Informationsverarbeitung im Gehirn.

Das betrifft vor allem:

  • die Wahrnehmung (Hören, Sehen)
  • das Arbeitsgedächtnis
  • die Verarbeitung von Reihenfolgen
  • die Verknüpfung von Symbolen (Buchstaben/Zahlen) mit Bedeutung

Und da wäre dann noch die (fehlende) Aufmerksamkeit:

Typisch für Legasthenie ist, dass die Aufmerksamkeit besonders beim Lesen und Schreiben stark nachlässt. In anderen Bereichen können betroffene Kinder oft sehr konzentriert und aufmerksam sein. Ähnlich zeigt sich dies bei Dyskalkulie vor allem beim Rechnen.

👉 Das bedeutet:

Ihr Kind kann intelligent denken – hat aber Schwierigkeiten, diese Fähigkeiten im schulischen Kontext umzusetzen.

Das Problem liegt oft im System – nicht im Kind

Unser Schulsystem basiert auf der Annahme:

👉 „Alle Kinder lernen auf die gleiche Weise.“

Doch genau das stimmt nicht.

Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie brauchen:

  • andere Zugänge zum Lernen
  • mehr Zeit für bestimmte Verarbeitungsschritte
  • gezielte Förderung ihrer Wahrnehmungsfunktionen

Stattdessen erleben sie häufig:

  • Druck
  • ständiges Korrigieren
  • Vergleich mit anderen Kindern

Das führt schnell zu Frust, Selbstzweifeln und Lernblockaden.

Warum eine gezielte Analyse entscheidend ist – der AFS-Test

Um Ihrem Kind wirklich helfen zu können, reicht es nicht, nur die Fehler anzusehen.

👉 Entscheidend ist die Frage: Warum entstehen diese Fehler?

Hier setzt der sogenannte AFS-Test an.

AFS steht für:

  • Aufmerksamkeit
  • Funktionen (z. B. Wahrnehmung, Gedächtnis, Raumorientierung)
  • Symptome (sichtbare Fehler)

Der Test zeigt:

  • genau die Schwierigkeiten liegen
  • welche grundlegenden Funktionen gestärkt werden müssen
  • welche individuellen Fördermaßnahmen sinnvoll sind

👉 Denn: Nur wenn die Ursache bekannt ist, kann gezielt und effektiv trainiert werden.

Woran Sie Legasthenie erkennen können

Hier sind typische Anzeichen, die auf Legasthenie hinweisen können:

  • Langsames, stockendes Lesen
  • Häufiges Vertauschen von Buchstaben (b/d, p/t)
  • Probleme beim Heraushören von Lauten
  • Viele Rechtschreibfehler trotz Übung
  • Schwierigkeiten beim Merken von Wörtern
  • Probleme mit Groß- und Kleinschreibung
  • Auslassen oder Hinzufügen von Buchstaben
  • Schwierigkeiten beim Abschreiben
  • Verwechslung von Reihenfolgen
  • Große Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung

👉 Wichtig: Diese Anzeichen treten meist dauerhaft und unabhängig vom Übungsaufwand auf.

Woran Sie Dyskalkulie erkennen können

Auch bei Dyskalkulie gibt es typische Muster:

  • Schwierigkeiten beim Erfassen von Mengen
  • Zählen statt Rechnen (auch bei einfachen Aufgaben)
  • Probleme mit Zahlenräumen (z. B. Stellenwertsystem)
  • Verwechslung von Rechenzeichen
  • Schwierigkeiten beim Kopfrechnen
  • Probleme mit Reihenfolgen (z. B. Zahlenfolgen)
  • Unsicherheit bei Uhrzeit und Zeitverständnis
  • Schwierigkeiten beim Schätzen von Mengen
  • Langsames Rechnen trotz Übung
  • Große Unsicherheit bei mathematischen Aufgaben

👉 Auch hier gilt: Das Problem liegt nicht im „Nicht-Verstehen“, sondern in der Art der Verarbeitung.

Was Ihr Kind wirklich braucht

Wenn ein Kind anders verarbeitet, braucht es:

  • individuelle Förderung statt Standardlösungen
  • Training der zugrunde liegenden Funktionen
  • Lernen über mehrere Sinne (Hören, Sehen, Bewegung)
  • kleine, strukturierte Übungseinheiten
  • vor allem: Verständnis statt Druck

👉 Ihr Kind braucht keinen größeren Einsatz – sondern den richtigen Ansatz.

Ein persönlicher Gedanke zum Schluss

Dieses Thema ist für mich nicht nur fachlich wichtig – sondern auch persönlich.

👉 Ich bin selbst Legasthenikerin.

👉 Und auch einer meiner Söhne ist von Legasthenie betroffen.

Ich kenne daher beide Seiten:

  • die Herausforderungen als Kind
  • die Sorgen und Fragen als Mutter

Und ich weiß: Mit dem richtigen Verständnis und gezielter Unterstützung ist Entwicklung möglich.

Sie sind nicht allein

Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedergefunden haben, dann ist das ein wichtiger erster Schritt.

👉 Es gibt Wege, Ihr Kind gezielt zu unterstützen.

👉 Und es gibt Lösungen, die wirklich funktionieren.

Ihr Kind hat Potenzial – manchmal braucht es nur den passenden Zugang, damit es sichtbar wird.

Diesen Beitrag teilen

Weitere Beiträge

Aktuelle Artikel, Tipps und Impulse aus der Lernpraxis.

  • "/>

    16.07.2026 • 5 Minuten

    Die AFS-Methode einfach erklärt

    Bei der AFS-Methode werden nicht nur Fehler beim Lesen, Schreiben oder Rechnen betrachtet, sondern auch Aufmerksamkeit und Sinneswahrnehmungen.. In diesem Beitrag wird einfach erklärt, was hinter der AFS-Methode steckt, wie der AFS-Test funktioniert und wie daraus ein individueller Trainingsplan entsteht.

  • Warum ich „sinnvoller lernen“ gegründet habe

    06.07.2026 • 5 Minuten

    Warum ich „sinnvoller lernen“ gegründet habe

    Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie hören oft, dass sie einfach mehr üben müssen. Doch mehr Übung ist nicht immer die Lösung – oft braucht es passendere Methoden, mehr Verständnis und eine andere Art zu lernen. In diesem Beitrag erzähle ich, warum ich sinnvoller lernen gegründet habe, was der Name für mich bedeutet und warum mir Hilfe zur Selbsthilfe für Eltern und Kinder besonders wichtig ist.