Legasthenie & Dyskalkulie verstehen – warum Ihr Kind anders lernt
Vielleicht haben auch Sie sich schon gefragt: „Warum tut sich mein Kind trotz Üben so schwer mit Lesen, Schreiben oder Rechnen?“
Ihr Kind ist klug, interessiert, vielleicht sogar kreativ oder sportlich – und dennoch scheint es in der Schule ständig an seine Grenzen zu stoßen.
Die wichtigste Botschaft vorweg:
👉 Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie sind nicht weniger intelligent.
👉 Sie verarbeiten Buchstaben und Zahlen einfach anders.
Und genau hier beginnt das eigentliche Verständnis.
Was wirklich hinter Legasthenie und Dyskalkulie steckt
Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie haben keine generelle Lernschwäche. Vielmehr handelt es sich um eine andere Art der Informationsverarbeitung im Gehirn.
Das betrifft vor allem:
- die Wahrnehmung (Hören, Sehen)
- das Arbeitsgedächtnis
- die Verarbeitung von Reihenfolgen
- die Verknüpfung von Symbolen (Buchstaben/Zahlen) mit Bedeutung
Und da wäre dann noch die (fehlende) Aufmerksamkeit:
Typisch für Legasthenie ist, dass die Aufmerksamkeit besonders beim Lesen und Schreiben stark nachlässt. In anderen Bereichen können betroffene Kinder oft sehr konzentriert und aufmerksam sein. Ähnlich zeigt sich dies bei Dyskalkulie vor allem beim Rechnen.
👉 Das bedeutet:
Ihr Kind kann intelligent denken – hat aber Schwierigkeiten, diese Fähigkeiten im schulischen Kontext umzusetzen.
Das Problem liegt oft im System – nicht im Kind
Unser Schulsystem basiert auf der Annahme:
👉 „Alle Kinder lernen auf die gleiche Weise.“
Doch genau das stimmt nicht.
Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie brauchen:
- andere Zugänge zum Lernen
- mehr Zeit für bestimmte Verarbeitungsschritte
- gezielte Förderung ihrer Wahrnehmungsfunktionen
Stattdessen erleben sie häufig:
- Druck
- ständiges Korrigieren
- Vergleich mit anderen Kindern
Das führt schnell zu Frust, Selbstzweifeln und Lernblockaden.
Warum eine gezielte Analyse entscheidend ist – der AFS-Test
Um Ihrem Kind wirklich helfen zu können, reicht es nicht, nur die Fehler anzusehen.
👉 Entscheidend ist die Frage: Warum entstehen diese Fehler?
Hier setzt der sogenannte AFS-Test an.
AFS steht für:
- Aufmerksamkeit
- Funktionen (z. B. Wahrnehmung, Gedächtnis, Raumorientierung)
- Symptome (sichtbare Fehler)
Der Test zeigt:
- genau die Schwierigkeiten liegen
- welche grundlegenden Funktionen gestärkt werden müssen
- welche individuellen Fördermaßnahmen sinnvoll sind
👉 Denn: Nur wenn die Ursache bekannt ist, kann gezielt und effektiv trainiert werden.
Woran Sie Legasthenie erkennen können
Hier sind typische Anzeichen, die auf Legasthenie hinweisen können:
- Langsames, stockendes Lesen
- Häufiges Vertauschen von Buchstaben (b/d, p/t)
- Probleme beim Heraushören von Lauten
- Viele Rechtschreibfehler trotz Übung
- Schwierigkeiten beim Merken von Wörtern
- Probleme mit Groß- und Kleinschreibung
- Auslassen oder Hinzufügen von Buchstaben
- Schwierigkeiten beim Abschreiben
- Verwechslung von Reihenfolgen
- Große Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Leistung
👉 Wichtig: Diese Anzeichen treten meist dauerhaft und unabhängig vom Übungsaufwand auf.
Woran Sie Dyskalkulie erkennen können
Auch bei Dyskalkulie gibt es typische Muster:
- Schwierigkeiten beim Erfassen von Mengen
- Zählen statt Rechnen (auch bei einfachen Aufgaben)
- Probleme mit Zahlenräumen (z. B. Stellenwertsystem)
- Verwechslung von Rechenzeichen
- Schwierigkeiten beim Kopfrechnen
- Probleme mit Reihenfolgen (z. B. Zahlenfolgen)
- Unsicherheit bei Uhrzeit und Zeitverständnis
- Schwierigkeiten beim Schätzen von Mengen
- Langsames Rechnen trotz Übung
- Große Unsicherheit bei mathematischen Aufgaben
👉 Auch hier gilt: Das Problem liegt nicht im „Nicht-Verstehen“, sondern in der Art der Verarbeitung.
Was Ihr Kind wirklich braucht
Wenn ein Kind anders verarbeitet, braucht es:
- individuelle Förderung statt Standardlösungen
- Training der zugrunde liegenden Funktionen
- Lernen über mehrere Sinne (Hören, Sehen, Bewegung)
- kleine, strukturierte Übungseinheiten
- vor allem: Verständnis statt Druck
👉 Ihr Kind braucht keinen größeren Einsatz – sondern den richtigen Ansatz.
Ein persönlicher Gedanke zum Schluss
Dieses Thema ist für mich nicht nur fachlich wichtig – sondern auch persönlich.
👉 Ich bin selbst Legasthenikerin.
👉 Und auch einer meiner Söhne ist von Legasthenie betroffen.
Ich kenne daher beide Seiten:
- die Herausforderungen als Kind
- die Sorgen und Fragen als Mutter
Und ich weiß: Mit dem richtigen Verständnis und gezielter Unterstützung ist Entwicklung möglich.
Sie sind nicht allein
Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedergefunden haben, dann ist das ein wichtiger erster Schritt.
👉 Es gibt Wege, Ihr Kind gezielt zu unterstützen.
👉 Und es gibt Lösungen, die wirklich funktionieren.
Ihr Kind hat Potenzial – manchmal braucht es nur den passenden Zugang, damit es sichtbar wird.