Blogbeitrag

Die AFS-Methode einfach erklärt
16.07.2026

Bei der AFS-Methode werden nicht nur Fehler beim Lesen, Schreiben oder Rechnen betrachtet, sondern auch Aufmerksamkeit und Sinneswahrnehmungen.. In diesem Beitrag wird einfach erklärt, was hinter der AFS-Methode steckt, wie der AFS-Test funktioniert und wie daraus ein individueller Trainingsplan entsteht.

5 Minuten

Die AFS-Methode einfach erklärt

Vielleicht sind Sie beim Lesen meiner letzten Blogartikel über den Begriff „AFS-Methode" gestolpert und haben sich gefragt, was genau sich dahinter verbirgt. Zu Recht, denn diese drei Buchstaben beschreiben das Prinzip, nach dem wir bei „Sinnvoller Lernen" arbeiten. Zeit, das einmal in aller Ruhe und ohne Fachchinesisch zu erklären.

Wenn Ihr Kind trotz vielen Übens immer wieder dieselben Fehler macht, fragen Sie sich vermutlich:

Warum hilft das viele Üben nicht?

Genau hier setzt die AFS-Methode an. Sie schaut nicht nur auf die Fehler beim Lesen, Schreiben oder Rechnen, sondern fragt zuerst:

Was steckt hinter diesen Fehlern?

AFS steht für:

A = Aufmerksamkeit

F = Funktionen

S = Symptome

Die AFS-Methode ist ein pädagogisch-didaktischer Förderansatz für Menschen mit Legasthenie und Dyskalkulie. Sie geht davon aus, dass betroffene Kinder Informationen anders verarbeiten und deshalb auch anders lernen. Es geht also nicht darum, dem Kind einfach noch mehr Übungsblätter zu geben, sondern darum, gezielt dort anzusetzen, wo das Kind Unterstützung braucht.

Warum reicht „mehr üben“ oft nicht? Viele Kinder mit Legasthenie oder Dyskalkulie üben bereits sehr viel. Sie schreiben Wörter wieder und wieder, lesen Texte mehrfach oder rechnen Aufgaben erneut. Trotzdem bleiben bestimmte Fehler bestehen. Das liegt häufig daran, dass nicht nur das sichtbare Symptom trainiert werden sollte. Ein Beispiel: Ein Kind verwechselt immer wieder b und d. Dann kann man natürlich viele Wörter mit b und d üben. Aber wenn dahinter eine Schwierigkeit in der Raumorientierung steckt, reicht reines Abschreiben oft nicht aus. Die AFS-Methode schaut deshalb auf drei Bereiche:

1. Aufmerksamkeit

Hier geht es um die Frage: Kann das Kind seine Aufmerksamkeit beim Lesen, Schreiben oder Rechnen gut halten? Manche Kinder können sich beim Spielen, beim Sport oder bei ihren Interessen sehr gut konzentrieren. Sobald es aber um Buchstaben, Wörter oder Zahlen geht, lässt die Aufmerksamkeit plötzlich nach. Das bedeutet nicht, dass das Kind faul ist. Es kann ein Hinweis darauf sein, dass das Arbeiten mit Symbolen besonders anstrengend ist. Im Training werden deshalb auch Übungen eingebaut, die dem Kind helfen, seine Aufmerksamkeit gezielt zu lenken.

2. Funktionen

Mit „Funktionen“ sind die Sinneswahrnehmungen gemeint, die für Lesen, Schreiben und Rechnen wichtig sind. Dazu gehören:

• optische Wahrnehmung (Differenzierung, Gedächtnis, Serialität)

• akustische Wahrnehmung (Differenzierung, Gedächtnis, Serialität)

• Raumorientierung

• Körperschema

Beim Lesen muss es Buchstaben genau unterscheiden.

Beim Schreiben muss es Laute hören und in die richtige Reihenfolge bringen.

Beim Rechnen muss es Mengen, Zahlen und räumliche Beziehungen verstehen.

Wenn einzelne Sinnesfunktionen unsicher sind, entstehen oft Fehler, die von außen wie Flüchtigkeitsfehler wirken. Für das Kind sind sie aber echte Herausforderungen.

3. Symptom

Das Symptom ist das, was Eltern, Lehrerinnen und Lehrer zuerst sehen:

• Rechtschreibfehler

• Lesefehler

• langsames Lesen

• Probleme beim sinnerfassenden Lesen

• Rechenfehler

• Schwierigkeiten mit Mengen, Zahlen oder Rechenschritten

Natürlich wird auch daran gearbeitet. Aber eben nicht ausschließlich. Das Besondere an der AFS-Methode ist, dass das Symptomtraining mit Aufmerksamkeits- und Funktionstraining verbunden wird. Dadurch wird nicht nur am Fehler gearbeitet, sondern auch an den Grundlagen, die hinter dem Fehler stehen können. Die Methode beschreibt sich selbst als umfassend und offen für bewährte Förderansätze.

Was ist der AFS-Test?

Der AFS-Test ist ein computerbasiertes pädagogisches Testverfahren. Er wird von diplomierten Legasthenie- und DyskalkulietrainerInnen eingesetzt, um Hinweise auf Legasthenie, LRS, Dyskalkulie oder Rechenschwäche zu bekommen und die Förderung besser planen zu können. Wichtig ist: Der AFS-Test ist keine medizinische Diagnose. Er ist ein pädagogisches Verfahren. Er zeigt, in welchen Bereichen ein Kind besondere Unterstützung braucht. Der Test überprüft unter anderem: • die Aufmerksamkeit beim Umgang mit Symbolen • verschiedene Sinneswahrnehmungen • die Fehlerbereiche beim Lesen, Schreiben oder Rechnen

Was passiert nach dem AFS-Test?

Nach dem Test erfolgt eine genaue Auswertung. Dabei wird nicht nur ein Ergebnis angeschaut, sondern das Gesamtbild:

Wie aufmerksam arbeitet das Kind bei Buchstaben oder Zahlen?

Welche Sinnesfunktionen sind gut entwickelt? Wo zeigen sich Unsicherheiten?

Welche Fehler treten immer wieder auf?

Auf Basis dieser Ergebnisse wird ein individueller Trainingsplan erstellt. Dieser Plan ist aber nicht starr. Er wird im Laufe des Trainings immer wieder angepasst, je nachdem, wie das Kind auf die Übungen reagiert. Genau diese individuelle Planung ist ein wichtiger Teil der AFS-Methode.

Warum ist das für Eltern wichtig?

Für Eltern ist die AFS-Methode vor allem deshalb hilfreich, weil sie eine neue Sichtweise ermöglicht.

Statt zu denken:

„Mein Kind muss sich einfach mehr anstrengen.“ kann man fragen:

„Was braucht mein Kind, damit Lernen besser gelingt?“

Das nimmt Druck heraus. Eltern verstehen besser, warum bestimmte Fehler entstehen. Und Kinder merken: Ich bin nicht dumm. Ich bin nicht faul. Ich brauche nur einen anderen Zugang.

Mein Fazit:

Die AFS-Methode passt gut zu dem Gedanken von sinnvoller lernen: Nicht immer mehr üben. Sondern gezielter, verständlicher und individueller üben. Wenn Eltern wissen, welche Bereiche ihrem Kind schwerfallen, können sie es im Alltag viel besser unterstützen.

Genau deshalb ist der AFS-Test oft ein sinnvoller erster Schritt: Er zeigt, wo das Training ansetzen sollte – und wie Lernen wieder leichter, sicherer und sinnvoller werden kann.

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